Szene aus "Downstairs" (Arbeitstitel)

 

Julia rollte sich unter ihrer Decke zusammen. Der Bettbezug duftete nach Lavendel und auf dem Stoff sprangen lila Katzen umher, tanzten mit gelben Vögeln unter einem Regenbogen. Ihre Füße stießen an die Bettkante, das Holz kratze an ihrer Haut. Im letzten Jahr hatte sie einen Wachstumsschub bekommen. Das Bett war zu klein geworden. Und Julia zu groß. 

Stimmen drangen durch die geschlossene Tür zu ihr. Papa. Er hatte wohl noch Besuch.

Julia richtete sich auf und lauschte. Ihr Baumwollnachthemd saß eng an ihren Armen und spannte über ihren Brüsten, die auch gewachsen sind. Sie bräuchte einen BH, aber sie traute sich nicht, Papa zu fragen. Und Mama, Mama saß nur lethargisch auf ihrem Sofa, kaum ansprechbar.

Kichern. Eine Mädchenstimme. Julia erschrak. Das durfte nicht sein.

Langsam schob sie die Beine aus dem Bett und schlüpfte in ihre Hausschuhe. Schlich zur Tür.

Papa ließ sie immer einen Spalt breit offen, nachdem er sie ins Bett gebracht hatte. So weckte er niemanden, wenn er Julia später in der Nacht besuchte und sich an sie kuschelte. Es war schon eine Woche her.

Die Stimme. Sie kicherte wieder.

Julia öffnete den Türspalt etwas mehr. Kniff die Augen zusammen. Papa stand an der Tür zum Keller. Seinen Arm, um ein Mädchen gelegt. Lange schwarze Haare flossen über ihren Rücken. Sie war klein, reichte Papa gerade bis zum Bauchnabel.

Julia verstand nicht, worüber sie sprachen. Papa tätschelte der Kleinen den Kopf und schob sie dann zur Kellertreppe. Über seine Schulter blickte er hinauf zu Julia. Sah, dass sie ihn beobachtete, und lächelte ihr zu.

Julias Herz krampfte sich zusammen. Er durfte nicht mit einem anderen Mädchen in den Keller gehen. Tränen stiegen ihre Augen empor. Mit dem Kopf schlug sie gegen die Wand. Wieder und wieder.

Sie war doch erst fünfzehn. Noch vor einem Monat war sie sein ein und alles. Nur mit ihr ging er in den Keller. Das hatte er ihr immer wieder gesagt. Sie war seine Prinzessin, seine Königin, nur ihr wollte er dienen.

 

Drei Tage vergingen. Drei Nächte wartete sie auf ihn. Aber jede Nacht ging er in den Keller. Zu Ihr!

Die Milch schmeckte sauer. Mama war wieder nicht einkaufen gewesen. Die runden, bunten Ringe, die angeblich nach Beeren schmecken sollten, weichten auf, hingen schlaff in der warmen Milch.

Ihr Vater pfiff fröhlich vor sich hin. Packte seine Aktentasche, Laptop, Handy, Schlüssel. Zum Abschied gab er Julia einen Kuss auf die Stirn und verschwand aus dem Haus.

Starr blieb Julia zurück. Mit dem Nagel ihres Zeigefingers kratzte sie auf dem Eichenholz der Tischplatte. Kleine Splitter bohrten sich in ihre Haut. Ihr Blick wanderte zur Kellertür. Sie lag direkt neben der Kammer, wo sich die Wäsche von zwei Wochen stapelte.

Wenn SIE nicht mehr da wäre, wenn Papa SIE nicht mehr hätte, dann würde er wieder zu ihr zurückkommen. Zu seiner Prinzessin. Dann würde er begreifen, dass sie viel besser war, als die anderen. Dass er nur sie liebte.

Die Stuhlbeine kratzen auf den den Fliesen. Julia stand auf. In der dritten Lade von links waren die Küchenmesser. Sie starrte sie an. Glänzender Edelstahl. Ihr Gesicht spiegelte sich darin. Welches würde das Richtige sein?

Mit den Fingern strich sie über die Griffe aus Holz und Stahl. Das hier, das war das Richtige. Ein schmales Messer, komplett aus Stahl. Zur Spitze hin wurde es ganz schmal. Behutsam umschloss Julia den Griff. Das Messer war schwer. Gut, so brauchte sie weniger Kraft.

Die Tür zum Keller war versperrt. Papa hatte den Schlüssel in seiner Jogginghose immer bei sich, wenn er daheim war. Sie fischte ihn aus der Tasche und öffnete die schwere Holztür. Der Rahmen knarzte. Rechts an der Wand befand sich der Lichtschalter. Nun stand die Treppe direkt vor Julias Augen. Sie machte eine Rechtskurve und schlängelte sich an der alten Ziegelmauer entlang.

Langsam stieg Julia die Treppe hinab. Sie brauchte nicht extra leise sein. Sie wusste, dass SIE nicht entkommen würde. SIE würde gefesselt an den Bettpfosten auf der alten Matratze liegen. Fast nackt. Die Unterwäsche nur noch in Fetzen ihren Körper bedeckend. Es würde leicht werden.

 

Julia war zufrieden. Kuschelte sich auf das Sofa im Wohnzimmer und schaute eine Folge Big Bang Theorie. Sheldon brachte sie immer zum Lachen.

Papa kam nach Hause. Sie hörte den Schlüssel im Schloss, wie er seine Schuhe auf der Matte austrat, seine Tasche im Vorzimmer abstellte und seinen Mantel aufhing.

Julia lächelte. Gleich würde er zu ihr kommen. Dann konnte sie es ihm endlich sagen. Den ganzen Tag hatte sich darauf gefreut. Ihm ihr Werk zu zeigen. Ihm zu sagen, dass sie ihn befreit hatte. Dass er doch seine eigene Prinzessin hatte und keine andere brauchte. Er würde sich so freuen.

»Hallo, meine Kleine. Was hast du heute schönes gemacht?«

»Oh, ich habe eine Überraschung für dich, Papa. Komm mit, ich zeige sie dir.« Julia sprang vom Sofa auf und zog ihn an der Hand hinter sich her.

»Wir müssen in den Keller. Hier, ich habe deinen Schlüssel schon geholt. Du wirst so begeistert sein.«

»In den Keller? Du warst ohne mich im Keller?“ Schweißperlen traten auf seine Stirn.

»Ja, das ist doch unser liebster Platz. Nur für uns. Hast du immer gesagt.«

Er nickte. Brachte kein Wort heraus.

Er stolperte hinter Julia her. Die Treppe hinab.

Unten angekommen, öffnete Julia voller Elan die Stahltür, die er vor fünf Jahren hatte einbauen lassen. Sie sog den Geruch nach Blut und Exkrementen tief ein, der durch die geöffnete Tür strömte.

»Schau, Papa. Ist es nicht schön. Jetzt ist sie weg. Und ich gehöre wieder ganz dir. Gefällt es dir?« Julia hüpfte von einem Bein auf das andere und schaute von der Matratze zu ihrem Vater.

»Es ist wundervoll mein Sch-Schatz. Ich d-d-d-anke dir.« Julia griff nach seiner Hand und zog ihn zum Bett.

Zur mit Blut durchtränkten Matratze. Das Mädchen lag noch immer gefesselt, mit gespreizten Beinen da. Der Hals durchgeschnitten. Der Bauch zerfetzt. Die Haare abgeschnitten und um ihren Kopf herum verteilt. Blut, überall Blut. Auf dem Boden, den Wänden.

»Meine Kleine. Du bist meine einzige Prinzessin und ich danke dir, dass du mich wieder auf den richtigen Weg gebracht hast.«

»Papa, es ist schon gut. SIE wollte dich mir wegnehmen. Das geht doch nicht. Ich muss dich doch beschützen.« Julia schmiegte ihre Wange an seinen Bauch. Das gestärkte Hemd war rau und roch nach Schweiß.

»Du gehst jetzt nach oben und kuschelst dich aufs Sofa. Ich bestelle uns später eine Pizza. Und bis dahin werde ich unser Zimmer hier wieder herrichten, damit wir es uns schon bald wieder gemütlich machen können.«

»Oh, ja. Das wird wundervoll, Papa.« Sie küsste ihn auf die Wange und lief gleich zwei Stufen auf einmal nehmend nach oben.

 

Aus der Sakkotasche fischte er sein Blackberry. Er musste ihn anrufen. Die nächste Lieferung absagen. Erst einmal Pause machen. Sich seiner Tochter widmen, bevor es schlimmer wurde.

Er schüttelte sich bei dem Gedanken, ihre schon viel zu großen Brüste berühren zu müssen, ihre Schamhaare an seinen Lippen zu spüren. Sie wurde zu alt. Aber es half nichts, da musste er jetzt durch.

Ein paar Wochen wenigstens.