„Wenn es sein muss, können wir hinterher auch kuscheln.“

Ich glaube es war im Mai, die Tage wurden endlich wärmer und jeder freute sich auf den Sommer. Laut meinem Terminkalender stand ein Date mit einem „Single mit Niveau“ auf dem Programm und da ich in dieser Woche frei hatte, wollten wir uns zum Frühstück treffen. Also machte ich mich gegen acht Uhr in der Früh auf den Weg zum Zanoni am Lugeck.

            Jürgen wartete bereits, er saß auf der Terrasse an einem Tisch direkt an der Wand und den Blick frei auf alle Passanten. Wir erkannten uns sofort, keiner hatte mit seinen Fotos gelogen. Er stand auf, um mich zu begrüßen und rückte mir den Stuhl zurecht. Ein Mann mit guten Manieren und Anstand, wie es schien. Wir bestellten Kaffee und gingen erst einmal die üblichen Smalltalk-Fragen durch, „Was machst du beruflich?“, „Hast du Geschwister?“, „Wie verbringst du deine Freizeit?“, etc.

            Er war Investmentbanker, was ich natürlich später auf Google prüfen würde, und er erzählte freudestrahlend wie gern er Skifahren und Laufen ginge und das er eine Tochter aus einer früheren Beziehung habe, mit der er so viel Zeit wie möglich verbrachte. Hörte sich ja wie ein absoluter Glückstreffer an, dachte ich so bei mir und konnte mich kaum satt sehen an seinen grün-braunen Augen und dem vollen, schwarz glänzenden Haar. Er machte mir viele Komplimente und wir plauderten ungezwungen und fröhlich dahin. Die Zeit verging wie im Flug. Um zehn Uhr musste er zu einem Termin. Was mich sehr enttäuschte, aber er schlug direkt ein weiteres Treffen für den nächsten Tag vor. Zum Aperitif ins Loft im Sofitel mit Blick über die Dächer Wiens.

 

Mit ersten Schmetterlingen im Bauch durchwühlte ich meinen Kleiderkasten und fand wie üblich nichts anzuziehen. Am Ende entschied ich mich für ein dunkelblaues Kleid mit weißen Punkten, ein wenig 60er Jahre Stil, aber kurz genug, um durchaus sexy zu sein. Während der Fahrt in der U-Bahn las ich noch mal seine letzten Nachrichten.

            Er wartete wieder auf mich und hatte einen Platz ganz vorn rechts in der Ecke gewählt, mit der wahrscheinlich besten Aussicht. Lächelnd ging ich auf ihn zu und sah, wie sein durchdringender Blick mich von Kopf bis Fuß musterte, beinahe als könne er durch den Stoff meines Kleides hindurch sehen. Ein erstes leises Unbehagen stieg in mir auf. Als ich fast bei ihm war, stand er auf und gab mir freudestrahlend einen Kuss auf jede Wange. Vielleicht hatte ich mir das Dunkle in seinen Augen eben nur eingebildet, dachte ich bei mir und setzte mich, das Kleid bis fast über die Knie ziehend, in einen der weichen Ledersessel. Wir bestellten zwei Aperol Sprizz und er begann mir zu erklären welche Gebäude von hier aus alle zu sehen waren. Dabei änderte sich nach und nach seine Körperhaltung, einen Arm lässig über die Lehne gelegt, die Beine dominant und weit gespreizt, ein echtes Alphamännchen. Seine Fragen wurden zunehmend anzüglich und ich begann zu ahnen worauf das hier hinauslaufen sollte. Ich überlegte krampfhaft, wie ich hier am besten, höflich und taktvoll wieder verschwinden könne. Als mich seine nächsten Worte perplex erstarren ließen.

            Er beugte sich zu mir vor, seine Augen ruhten gierig auf meinen Brüsten, ich spürte und roch seinen schlechten Atem, als er mir zuraunte: „Du bist so unglaublich heiß und mein Schwanz war schon ganz hart, als ich dich hereinkommen sah. Am liebsten würde ich dich hier auf der Stelle durchficken wollen, aber ich habe noch eine bessere Idee. Wir fahren zu mir, ich habe auch schon einem Freund Bescheid gesagt, er wartet bereits und dann besorgen wir es dir so richtig. Was hältst du davon? Da du eine Lady bist, können wir hinterher natürlich auch noch kuscheln, wenn es sein muss.“ Er lehnte sich zufrieden zurück und rieb sich mit der Hand über sein hartes Glied, das auch durch den schwarzen Stoff seiner teuren Anzughose deutlich zu erkennen war. Selbstgefällig grinste er mich an und wartete auf eine Antwort.

            Es hatte mir regelrecht die Sprache verschlagen und da mich der Typ einfach nur noch anwiderte und ich vor allem auch seinen stinkenden Atem nicht mehr aus der Nase bekam, brachte ich nur ein: „Nein, danke.“, hervor, schnappte mir meine Tasche und trat die Flucht an. Ich rannte regelrecht auf die Aufzüge zu, die eine Ewigkeit zu brauchen schienen. Ich hörte bereits seine herannahenden Schritte als sich endlich eine der Türen öffnete und ich hastig hineinsprang. Eilig durchquerte ich die Lobby des Sofitel und sprang in das nächste Taxi vor dem Eingang. Das Geld war mir egal, ich wollte nur noch nach Hause. Mein Handy vibrierte kurz in meiner Tasche, eine Nachricht von ihm: ‚Warum ich einfach Nein gesagt hätte und er hätte das ja nicht von mir gedacht‘, genau, wir kannten uns ja auch schon so lange und so gut. ‚Ich sollte mit meinem Problem auf jeden Fall mal zu einem Therapeuten gehen.‘

Ich konnte es mir nicht verkneifen und musste anfangen laut zu lachen. So ein armes, kleines Männchen.

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